Rezension der Dokumentation BAD25
Spike Lee erinnert an das Gute von Michael Jacksons „Bad“
Quelle: Salon
http://www.salon.com/2012/11/21/spike_lee_remembers_the_good_of_michael_jacksons_bad/
Wie folgt man „Thriller“ nach, dem weltweit meistverkauften Album aller Zeiten? Diese Frage steht im Mittelpunkt von Spike Lees feierlicher Dokumentation „Bad25“, die am Thanksgiving-Abend auf ABC ausgestrahlt wird. Nach „Thriller“ hätte ein weniger großer Künstler das Mikrofon fallen lassen und „Game over“ erklärt. Doch trotz seines öffentlich zurückhaltenden Charmes und schüchternen Auftretens hatte Michael Jackson unglaublichen Mut. Nur wenige in seinem Umfeld glaubten wirklich daran, dass der Blitz ein zweites Mal einschlagen könnte. Das hielt den kleinen Jungen, der sich mit Gesang und Tanz aus dem Arbeitermilieu von Gary, Indiana, herauskatapultiert hatte, nie davon ab – er wollte nicht einfach nur ein weiteres „Thriller“ schaffen, er plante, es zu übertreffen.
Kreativ übernahm MJ bei „Bad“ noch mehr Kontrolle und schrieb alle bis auf zwei der elf Singles. Er war auch maßgeblich für die kreative Ausrichtung der visuell beeindruckenden Videos verantwortlich – eigentlich Kurzfilme. Seine Belohnung: „Bad“ wurde das erste Album der Geschichte, das fünf aufeinanderfolgende Nummer-1-Pop-Singles hervorbrachte. „This Is It“, der Dokumentarfilm über die Proben zu MJs Comeback-Tour, zeigte MJ als alternden Meister, der sein Publikum an seine Größe erinnerte. „Bad25“ feiert MJs Festigung seines Throns zu einer Zeit, als sein Talent noch relativ unschuldig und roh war.
„Michael kannte keine Grenzen. Michael dachte größer als alle anderen“, sagt Joe Vogel, Autor von „Man in the Music: The Creative Life and Work of Michael Jackson“. Für ihn war es keine Option, nicht Nummer 1 zu sein. Während „Thriller“ und „Bad“ rief er sogar den ehemaligen CBS-Records-Präsidenten Walter Yetnikoff an und beschwerte sich: „Meine Platte ist nicht Nummer 1. Meine Platte ist nicht Nummer 1. Was machen wir jetzt?“ Michael tat alles in seiner Macht Stehende, um seine Ziele zu erreichen. „Es ist so viel Arbeit“, sagte er über „Bad“. „Viele Leute sind es gewohnt, nur das Ergebnis der Arbeit zu sehen. Sie sehen nie die Seite der Arbeit, die man durchlaufen muss, um das Ergebnis zu erzielen.“
„Bad25“ hebt MJs Zusammenarbeit mit Martin Scorsese hervor, der über die Entstehung des „Bad“-Videos berichtet (in dem Wesley Snipes in seiner Durchbruchrolle als Schläger zu sehen ist). „Wir hatten ein Treffen mit Quincy und Michael in Los Angeles, und ich stellte fest, dass sie für Ideen offen waren. Niemand hatte wirklich Vorstellungen davon, welche Geschichte wir erfinden oder welches Thema wir behandeln könnten“, sagte Scorsese während der Arbeit am Video. In einem jüngeren Interview erinnert sich Scorsese, dass Michael ihn, als die Dreharbeiten im ausgewählten Harlem-Viertel begannen, beiseite nahm und fragte: „Wohnen hier wirklich Leute?“
Choreograf und Sänger Jeffrey Daniel, der in der Dokumentation mehrfach zu sehen ist, liefert eine faszinierende Analyse von MJs atemberaubenden Tanzbewegungen. Daniel, ehemaliges Mitglied von Shalamar, war ein wichtiger Mitarbeiter von MJ und maßgeblich dafür verantwortlich, die neuesten Street- und Club-Moves in das Tanzrepertoire des Moonwalking-Wunders einzubringen.
„Das Besondere ist“, sagt Daniel, „Michael kann nicht einfach in Clubs gehen und abhängen, weil er Michael Jackson ist. Also hat er durch mich aufgenommen, was in der Hood passiert, und ich habe es in seine Galerie im Jackson-Haus in Hayvenhurst gebracht.“
Das Archivmaterial der Choreografen und Tänzer, die mit Michael Tanzroutinen entwickelten – wie Daniel und Choreograf Jeff Burge, der an „Bad“ arbeitete und 1998 im Alter von 40 Jahren verstarb – könnte problemlos eine eigene herausragende Dokumentation bilden.
Wir sehen in „Bad25“ keinen aktuellen Quincy Jones, doch seine Stimme und Einsichten sind allgegenwärtig. „Wir wollten ein toughes Album“, sagt er, „naja, zumindest ein toughes Image.“ Das Album sollte das letzte sein, an dem die beiden gemeinsam arbeiteten. Andere Musiker des Albums bestätigen Jones’ Beitrag, während sie zugleich MJs Genie hervorheben. Steve Stevens, der hochgeschätzte Gitarrist von Billy Idol, erzählt nicht nur, was Michael Jackson ihn beim Aufnehmen von „Dirty Diana“ lehrte, sondern berichtet auch vom ersten Anruf Jones’ bei ihm, um mit MJ zu arbeiten. Wir treffen auch Jones’ Schützling Siedah Garrett, die „Man in the Mirror“ mitgeschrieben und „I Just Can’t Stop Loving You“ gesungen hat – sie ist in ihren Erinnerungen an die Zusammenarbeit mit Jones und Michael Jackson bei „Bad“ sehr ausdrucksstark und bricht gelegentlich in Gesang aus.
Von MJ beeinflusste Künstler wie Mariah Carey, Kanye West, Chris Brown, Cee Lo Green und Questlove kommen in „Bad25“ ebenfalls zu Wort und teilen ihre Einsichten zu „Bad“. Sie alle bestätigen MJs Einfluss über „Thriller“ hinaus; Kanye sagt, die modischen Elemente des „Bad“-Videos (insbesondere die allgegenwärtigen Kapuzenpullover) seien viel einflussreicher als die in „Thriller“. „Ich sehe heute fast so aus“, sagt Kanye.
„Bad25“ geht nicht explizit darauf ein, wie „We Are the World“ Michael Jackson kreativ beeinflusste, doch es ist klar, dass „Bad“ ein sozial bewussteres Produkt als „Thriller“ ist. Mobbing ist das Thema des „Bad“-Videos. Skid Row bildet den Mittelpunkt des Videos zum überwiegend flirtenden „The Way You Make Me Feel“. In „Leave Me Alone“, einem visuell beeindruckenden Video, das Animationstechniken fantasievoll einsetzt, nimmt MJ die mediale Dauerberichterstattung über die skurrileren Aspekte seines Lebens energisch aufs Korn und erklärt, dass er und andere öffentliche Persönlichkeiten durchaus Anspruch auf Privatsphäre haben. Natürlich ruft „Man in the Mirror“, vielleicht seine langlebigste Single, zur dringenden persönlichen Verantwortung und zum Handeln auf, um die Welt, in der wir alle leben, zu verändern. Mit „Bad“ verband Michael Jackson seine humanitären Werte mit seiner Kunst und machte Fürsorge cool. Man könnte sogar sagen, er öffnete das Tor für die vielen heutigen prominenten Wohltäter.
Die bekannten Musikjournalisten Nelson George, ehemaliger Black-Music-Redakteur bei Billboard, und Danyel Smith, einst Chefredakteurin von Vibe, sprechen über die „Schwärze“, die Michael Jacksons Musik innewohnt. Sheryl Crow, Backgroundsängerin auf der „Bad“-Welttournee, ist in ihren heutigen und Archivauftritten sehr berührend, besonders wenn sie beschreibt, was ihn von anderen Künstlern unterschied. „Immer wenn er auftrat und sang, wenn er diese Verbindung zu den Menschen herstellte, veränderte er die Moleküle im Raum“, staunt sie. „Smooth Criminal“-Regisseur Colin Chilvers und dessen Co-Choreograf Vincent Paterson verraten viele Details zu den Einflüssen und der Umsetzung des Videos. Langjähriger musikalischer Mitarbeiter Greg Phillinganes, der sogar mit den Jacksons arbeitete, ist eine wahre Fundgrube für Musikliebhaber, wenn es darum geht, wie bestimmte Grooves für „Bad“ entstanden. „X-Factor“-Juror L.A. Reid schwört, dass „in diesen Sessions etwas geschah, das technisch besser klingt als alle jemals gemachten Platten. Bis heute.“
Wer die Gesetze der Anziehung kennt, erkennt MJs Investition darin und die Kraft der Visualisierung, die vor allem von seinem langjährigen Bodyguard und Vertrauten Miko Brando, dem Sohn von Marlon Brando, vermittelt wird. Bei „Bad“ könnte man sagen, dass Michael Jackson den Erfolg buchstäblich herbeigewünscht hat. Nur wenige glaubten, dass er ein Album schaffen könnte, das auch nur halb so spektakulär wie „Thriller“ ist, darunter auch enge Vertraute wie sein Anwalt John Branca. Letztlich übertraf „Bad“ „Thriller“ nicht, doch 30 bis 45 Millionen verkaufte Alben sind alles andere als schlecht.
Spike Lee geht Michael Jacksons unzählige Probleme nicht nach, doch das ist nicht die Absicht von „Bad25“. Dies ist ein feierlicher Film, der das 25-jährige Jubiläum eines klassischen Albums und eines brillanten Künstlers zelebriert – die Freude nur getrübt durch die Trauer darüber, dass MJ nicht mehr unter uns weilt. „Bad25“ zu sehen, ist eine großartige Erinnerung daran, wie dankbar wir sein sollten, dass MJ unter uns moonwalkte.
http://www.salon.com/2012/11/21/spike_lee_remembers_the_good_of_michael_jacksons_bad/
(21-10-2012) Die Filmseite Rope of Silicone veröffentlichte eine sehr positive Rezension zu Spike Lees Dokumentation BAD25 von Brad Brevet:
Während die wenig überzeugende Konzertdokumentation This is It darauf abzielte, vom Tod Michael Jacksons zu profitieren, beleuchtet Spike Lees Bad 25 das Leben und die kreative Genialität von Michael Jackson anhand der Entstehung seines 1987er Albums „Bad“ als erzählerisches Mittel anlässlich des 25. Jubiläums des Albums. Lee widmet allen elf Songs des rekordbrechenden Albums Zeit und nutzt die Entstehung jedes einzelnen Songs und des dazugehörigen Musikvideos, um eine Erzählung zu formen, die trotz ihrer Laufzeit von zwei Stunden und elf Minuten mühelos fließt. Kurz gesagt: Es ist ausgezeichnet.
Ich sollte zuerst erwähnen, dass ich ein großer Fan von Michael Jackson bin. Die Nachricht von seinem Tod war für mich völlig surreal und traf mich einen Tag später noch härter als am Tag der ersten Meldung. Unsere Welt kennt viele tragische Figuren, und für mich ist die Tragödie, die Michael Jackson widerfuhr, besonders herzzerreißend. Diese Dokumentation macht den Umgang damit sogar noch etwas schwerer, da fast alle Personen, mit denen Lee spricht, zu Tränen gerührt sind, sobald er sie fragt, wo sie waren, als sie hörten, dass Michael gestorben ist.
Die Genialität dieser Dokumentation liegt jedoch nicht im Fokus auf Michaels Tod. Vielmehr steht sein Leben, seine Kreativität und die Beziehungen zu seinen Mitarbeitern im Mittelpunkt, von denen jeder einzelne echte Fürsorge und Mitgefühl für den Mann zeigt, der vor über drei Jahren starb.
Im Rahmen dieser Erzählung sehen wir unter anderem Martin Scorsese, der den Kurzfilm betrachtet, den er für „Bad“ inszenierte. Wir lachen, als Lee ihn fragt, ob er geahnt habe, dass Michael so viel an seinem Schritt herumgreifen würde – Scorsese lacht: „Nein, und schau, er macht es die ganze Zeit!“ Wir erleben die Entwicklung seiner Tanzbewegungen, wie die Produktion beim ersten Gesang Michaels am Set des Videos zu „The Way You Make Me Feel“ unterbrochen wurde, warum Tatiana Thumbtzen für dieses Video ausgewählt wurde und weshalb sie am Ende nicht küssen.
Ich war fasziniert, Bruce Swedien zuzuhören, wie er über seine Arbeit als Michaels Toningenieur sprach. Lee unterhält sich mit Quincy Jones, Joe Pytka (Regisseur von „Dirty Diana“ und „The Way You Make Me Feel“), Steve Stevens, der für „Dirty Diana“ als Gitarrist engagiert wurde, Ruben Blades über die Zusammenarbeit mit Michael bei der spanischen Version von „I Just Can’t Stop Loving You“, Greg Phillinganes (Synthesizer) und Matt Forger, der mit großer Aufrichtigkeit über seine Arbeit mit Michael in dessen Hayvenhurst-Heim spricht. Natürlich kommen auch Unterhaltungspersönlichkeiten wie Justin Bieber, Kanye West, Sheryl Crow (die mit Michael auf Tour war und das Duett „I Just Can’t Stop Loving You“ sang), Cee Lo Green, Chris Brown und Mariah Carey zu Wort.
All diese Gespräche führen zu den letzten Momenten, in denen Lee jeden Einzelnen fragt, wo er war, als Michael starb, und es scheint, als würde die Zeit stillstehen. Die zuvor geteilten Lächeln verwandeln sich in Tränen. Einer sagt, seine Reaktion auf die Nachricht sei gewesen: „Ruf mich nicht an und sag mir das, weil es nicht wahr sein kann!“ Man spürt es bis ins Mark: die Liebe, die zwischen diesen kreativen Künstlern geteilt wurde und hier zum Ausdruck kommt. Es ist das erste Mal, dass ich Menschen wirklich über Michael Jackson sprechen sehe und ihnen dabei glaube.
Die heute genannten Künstler mögen von Michael beeinflusst sein, doch die Mehrheit der Personen, mit denen Lee spricht, sind diejenigen, die mit ihm gearbeitet haben und mitten in der Nacht um vier Uhr aus dem Bett geholt wurden, um mit der Aufnahme eines Songs zu beginnen, sobald die Inspiration kam. All dies führt zum letzten besprochenen Song, „Man in the Mirror“.
Siedah Garrett, die das Duett mit Michael auf der Albumversion von „I Just Can’t Stop Loving You“ sang, schrieb „Man in the Mirror“ zusammen mit Glen Ballard und erklärt den Entstehungsprozess des Songs und wie sie ihn Quincy Jones übergab. Wir erfahren, welche Schritte der Song danach durchlief, wie Michael ihn gestaltete und einen Chor hinzuzog. Alle Emotionen, die während der Gespräche über Michaels Tod spürbar waren, kommen wieder hoch, als Lee die Dokumentation mit Michaels Auftritt von „Man in the Mirror“ im Wembley-Stadion am 16. Juli 1988 vor 72.000 Fans beendet. Es ist beeindruckend.
Ich weiß, dass die Meinungen über Michael Jackson von Person zu Person unterschiedlich sind, oft geprägt von dem, was wir in den Medien gehört haben, aber was diese Dokumentation und meine persönliche Wertschätzung für den Mann und das, was er der Musikwelt gebracht hat, betrifft, liefert diese Dokumentation ab.
NOTE: A+
Quelle: MJFC / Rope of Silicone
Eine weitere BAD25-Dokumentationsrezension
(23-10-2012) Die Website Gawker veröffentlichte ebenfalls eine sehr positive Rezension der Spike Lee-Dokumentation 'Bad25' von Rich Juzwiak, der sie als „die beste Behind the Music-Folge aller Zeiten“ bezeichnet:
Der Rock-Dokumentarfilm als Kunst: Spike Lees Michael Jackson-Dokumentation Bad 25
Jedes Subgenre braucht seinen Klassiker, und so ist Spike Lees Bad 25 das, was man als die beste Behind the Music-Folge aller Zeiten bezeichnen kann. Rasantes Tempo, genial konstruiert und voller witziger Anekdoten, hebt der Rückblick auf die Entstehung von 1987er Bad (das die enorme Aufgabe hatte, Thriller zu folgen) den Rock-Dokumentarfilm zur Kunstform empor. Mit über zwei Stunden Länge könnte es wie eine aufgeblähte Nachruf-Doku wirken, doch Bad 25 ist unverkennbar lebendig. Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass der Film ohne den Tod seines Hauptprotagonisten entstanden wäre, beweist Bad 25, dass Jacksons Vermächtnis ihn nahezu unsterblich gemacht hat.
Dieser Film hat mir neuen Respekt für ein Album gegeben, das ich mehrmals gehört habe, als ich zählen kann, und das ich im Laufe der Jahre immer weniger mochte. Ich bevorzuge immer die Wärme, Klarheit und Eigenartigkeit, die den frühen, analog geprägten Teil der 80er Jahre ausmachten, gegenüber der schwächeren zweiten Hälfte des Jahrzehnts, doch die Handwerkskunst von Bad, wie sie in Lees Film erläutert wird, ist unbestreitbar. Seine kulturelle Bedeutung wird am deutlichsten durch die Einsichten von ?uestlove unterstrichen, einem der Interviewpartner des Films, zu denen auch Kanye West, L.A. Reid, die Mitarbeiterin Siedah Garrett (ihr Blossom-Hut ist den Eintritt wert), Mariah Carey (die hier, wie in einigen ihrer Songs, einfach ein begeisterter Popmusikfan ist), Justin Bieber sowie die Journalisten Nelson George, Danyel Smith und Jason King gehören. ?uest bezeichnet Bad als das erste Stadionalbum der schwarzen Popmusik. Er nennt das enttäuschende Duett mit Stevie Wonder, „Just Good Friends“, die „Kaffeepause“ von Bad. Er zieht eine Linie vom James-Brown-Katalog zum Bad-Track „Speed Demon“, da nahezu alle Instrumente für perkussive Zwecke eingesetzt werden. Falls Sie es vorher nicht wussten: Der Schlagzeuger von The Roots ist einer der bedeutendsten Kulturkritiker seiner Zeit.
Kanye hat unterdessen eine großartige Passage über „Smooth Criminal“ („Ich habe nie ganz verstanden, wer Annie war. Und warum ist es wichtig, ob es ihr gut geht?“). Es gibt ein Motiv sanfter Jackson-Sticheleien, das die Verehrung menschlich und modern wirken lässt. Richard Price, der das Drehbuch für den 18-minütigen, von Martin Scorsese inszenierten „Bad“-Kurzfilm schrieb, schnauft: „Er geht zum italienischen Asthmatiker und zum jüdischen Asthmatiker, um ihn heimisch zu machen.“ Durchgehend wird Jacksons Umgang mit und Abweichung von den kulturellen Erwartungen an ihn als schwarzen Mann/Musiker mit Nuancen und Mitgefühl behandelt. Es überrascht nicht, dass Lee ein solches Porträt gelungen ist (offensichtlich versteht er es), doch es ist dennoch sehr befriedigend.
Lee nutzt die Songs von Bad, um verschiedene Facetten von Jacksons Vermächtnis zu beleuchten. „Smooth Criminal“ behandelt beispielsweise sein Tanzen; „Leave Me Alone“ rahmt den Abschnitt über Jacksons öffentliches Image; „Man in the Mirror“ verknüpft sich mit Reflexionen über Jacksons Tod (das Lied erlebte nach seinem Tod einen Popularitätsschub). So sehr ich den respektlosen Ton des Films schätzte, fand ich die Montage von Menschen, die zu Tränen gerührt sind und deren Leben Jackson berührt hat, unglaublich bewegend. Erst am Ende des Films gesellt sich dieses Gefühl der Traurigkeit zu den ausgeprägten Emotionen, die in der Diskussion über Jacksons Werk fließen – als Stilmittel lässt dies den großen kulturellen Verlust Jacksons eindringlicher erklingen als jede Diskussion über seinen Tod bis zu diesem Zeitpunkt.
Der Film enthält eine Vielzahl von Archivaufnahmen. Einige davon sind in Form alter Interviews – Quincy Jones wurde merkwürdigerweise offenbar nicht für diesen Film interviewt, seine Kommentare (und sein abstrakter Bill-Cosby-Pullover) stammen aus früheren Zeiten. Es gibt erstaunliche und urkomische Aufnahmen von Jackson, wie er albern die California Raisins im Detail imitiert oder die Einschränkungen seines ständig geschnürten „Speed Demon“-Kostüms beklagt („Ich wünschte, ich könnte [mich bewegen]. Ich fühle mich so eingeschränkt. Dieses Zeug sitzt so eng an mir.“). Das alles wirkt sehr menschlich für eine Figur, die die verletzlichsten Seiten von sich selbst vor der Öffentlichkeit verborgen hielt.
Bad 25 läuft diese und nächste Woche in ausgewählten Kinos vor der Ausstrahlung an Thanksgiving auf ABC. Ich sah ihn am Samstag in einem Kino im East Village in New York, das mit lautstarken Fans gefüllt war (sie buhten Bieber jedes Mal aus, wenn er auf dem Bildschirm war – ich habe kaum ein Wort von ihm gehört). Ein Mann führte einen laufenden Kommentar, der fast so laut war wie der Soundtrack des Films, wurde aber innerhalb des ersten Viertels des Films aus dem Kino verwiesen. Die Frau, die vor mir saß, nickte bei jedem Punkt energisch und machte während des Höhepunkts von „Man in the Mirror“ spirituelle Handbewegungen, durfte den Film jedoch vollständig sehen – zumindest blieb sie still.
Der Rest des Publikums sang, klatschte und zeigte seine Liebe, wenn auch auf weniger störende Weise. „Es ist wirklich eine Jubelfeier“, beschrieb Jackson die Veröffentlichung seines Albums. Ein Vierteljahrhundert später ist es das immer noch.
Quelle: MJFC / Gawker
Eine Times BAD25-Dokumentarfilmkritik
(26-10-2012) Die L.A. Times veröffentlichte eine sehr positive Rezension von Spike Lees Dokumentarfilm 'BAD2':
Rezension: Michael Jackson triumphiert in 'Bad 25'
Spike Lees tiefgründiger Blick auf Jacksons Album von 1987, 'Bad', bewegt sich wie ein großartiger Popsong, mit Auftrittsausschnitten, „Wer hätte das gedacht?“-Anekdoten und Testimonials von A-Promis.
Seit dem Tod des Pop-Superstars 2009 hat sich eine unerwartete Erzählung um Michael Jacksons Vermächtnis gefestigt: So sehr er auch ein kreatives Genie war – ein Künstler, der Inspiration aus dem Kosmos zog, wie Jackson selbst in Spike Lees neuer Dokumentation „Bad 25“ beschreibt – kam sein Erfolg größtenteils durch harte Arbeit zustande.
Der Meister wird als harter Arbeiter neu dargestellt.
Wir sahen die Anfänge davon in „This Is It“, dem Dokumentarfilm-Konzertfilm von 2009, den Kenny Ortega aus Aufnahmen von Proben für Jacksons unglückliche Showreihe in der O2 Arena in London zusammensetzte.
Und nun schreitet die Geschichte in „Bad 25“ voran, das einen tiefen Einblick in die Entstehung von Jacksons 1987er Nachfolger des weltbeherrschenden „Thriller“ gibt. (Es ist Teil einer 25-Jahr-Jubiläumswelle, die auch eine Deluxe-Neuauflage des Albums umfasst.)
„Diese Dokumentation feiert den King of Pop, Michael Jackson, und die Errungenschaften seines Albums 'Bad',“ heißt es auf einer Einblendung am Ende des Films, und das Wort „Errungenschaften“ erscheint dabei sehr aussagekräftig: Lee schwelgt in den langen Stunden und der musikalischen Expertise, die nötig waren, um Hits wie „Smooth Criminal“ und „Man in the Mirror“ zu produzieren.
Der kommerzielle Triumph des Albums war seiner Darstellung nach einfach eine Belohnung für gute Arbeit.
„Feiert“ ist ein weiteres aufschlussreiches Wort. Gefüllt mit schmeichelhaften Auftrittsausschnitten und schwärmerischen Testimonials von A-Prominenten ist Lees zweistündiger Film nicht weniger ehrfürchtig als „This Is It“.
Der Regisseur würdigt die außer-musikalischen Aktivitäten, die Jacksons Karriere während der langen Pause zwischen „Thriller“ und „Bad“ zu destabilisieren drohten. Besonders aufschlussreich ist er bei der umstrittenen Übernahme des Beatles-Songbooks durch den Sänger 1985, die laut Kulturkritiker Nelson George Menschen – weiße Menschen, wie man vermuten kann – verunsicherte, die diese Songs als „heilig“ ansehen.
Doch das waren Ablenkungen, so Lee.
Was „Bad 25“ über reine Werbeclips hinaushebt, ist Lees unverwechselbare persönliche Note. Zum Teil bedeutet das Lees Fähigkeit, Prominente vor die Kamera zu bekommen, wie hier Justin Bieber, Mariah Carey und Kanye West, der Jackson dafür dankt, dass er ihn in „Dirty Diana“ mit einem räuberischen Groupie-Typ bekannt gemacht hat, den er seitdem gut kennt.
In einer denkwürdigen Sequenz analysiert der Regisseur das „Bad“-Video mit dessen Regisseur Martin Scorsese – eine Art „Hinter den Kulissen von ‚Behind the Music‘“-Moment, der die Detailversessenheit widerspiegelt, die alle Lees Arbeiten antreibt.
Und bei Jackson mangelt es nie an faszinierenden Insider-Anekdoten. Wer hätte zum Beispiel gewusst, dass der Dramatiker August Wilson gebeten wurde, ein Drehbuch für das Video zu „The Way You Make Me Feel“ zu schreiben? (Wilson lehnte ab.)
All diese Details deuten darauf hin, dass in diesen sorgfältig recherchierten Film, der nach einer Kinovorführung in L.A. an Thanksgiving auf ABC ausgestrahlt wird, ein fast jacksonianisches Maß an Aufwand geflossen ist. Doch ähnlich wie der Sänger und sein Produzent Quincy Jones fügt Lee sie mit Schnelligkeit und Präzision zusammen.
Auf der Leinwand bewegt sich „Bad 25“ im Stil eines großartigen Popsongs.
Quelle: MJFC / LA Times
Michael Jacksons (und Spike Lees) BAD25 beweist: Ihr Popo gehört immer noch ihm
A A AKommentare (0) Von Alan Scherstuhl Mittwoch, 17. Okt. 2012
Sehen Sie, wenn Sie auch nur ansatzweise daran interessiert sind, BAD 25 zu sehen, Spike Lees zweistündige Feier/Hinter-den-Kulissen-Geschichte von Michael Jacksons 1988er Bad-LP, dann tun Sie es ernsthaft. Das ist ein Hochgenuss. Allein das Filmmaterial der Auftritte ist mitreißend, und Lee hat es mit Archivschätzen ergänzt: Tanzproben, bei denen Jackson und die Choreografen Jeffrey Daniel und Caszper Canidate scheinbar in der Freude der Erfindung verloren sind; Aufnahmen von Gesangsübungen, die Jacksons selten gehörte tiefe Stimmlagen offenbaren; Videoaufnahmen, die Jackson selbst von Siedah Garrett gemacht hat, wie sie ihr damals neues Lied (mit Glen Ballard zusammen geschrieben) „Man in the Mirror“ für Jackson und Quincy Jones singt.
Selbst ohne solche Funde wären Lees Gesprächspartner ein Grund, ein Ticket zu kaufen. Lee versammelt die Toningenieure und Keyboarder, die Choreografen und Bläserarrangeure, die Menschen, die tatsächlich Einblick in die eigentliche Kunst haben. Es gibt auch Prominente, Kanye und Mariah Carey im bescheidenen Fan-Modus, und Justin Bieber sorgt allein durch sein Erscheinen für Lacher, wenn er darauf hinweist, dass sein Video zu „Baby“ Jacksons „The Way You Make Me Feel“ kopiert. (Noch merkwürdiger: L.A. Reid prahlt, dass er in diesem „Baby“-Video Bieber verboten hat, eine schwarze Frau zu küssen.)
Filmfans werden Szenen genießen, in denen Martin Scorsese und Editor Thelma Schoonmaker Scorseses Video zu „Bad“ erneut ansehen, besonders wenn Lee außerhalb der Kamera Fragen ruft: Das ist ein Kran nach unten und eine Dollyfahrt zurück? Wussten Sie, dass er sich so oft an den Schritt greifen würde?
Unter den vielen drängenden Fragen, die der Film klärt: Jacksons Ausrufe „Sham on!“ stammen, wie sich herausstellt, von Mavis Staples. Annie – die Frau, um deren mögliches Nicht-in-Ordnung-Sein sich der smooth criminal sorgt – ist eine Reanimationspuppe, und Diana ist niemand, den Sie kennen sollten. Der Grund, warum der Titelsong kein Duett mit Prince wurde, wie Jackson es sich gewünscht hatte, ist, dass Jackson bei ihrem Treffen überzeugt war, Prince würde ihn mit einer Art Zauberei belegen. (Princes Ausrede, die im Film nicht vorkommt, war einfacher: Er wollte nicht „Your butt is mine“ zu Michael Jackson singen.) Niemand ist bereit, darüber zu sprechen, wie Jackson und Co. die berühmten Schrägstand-Tanzbewegungen aus dem „Smooth Criminal“-Video realisierten, aber in Aufnahmen vom Set sind die Drähte zu sehen. Und alle, von Jones bis Stevie Wonder, sind sich einig: „Just Good Friends“ ist eher enttäuschend.
Lee verweilt nicht lange bei den Kontroversen, in denen Jackson damals steckte. Stattdessen arbeitet er das Album Song für Song durch, behandelt das Songwriting, die Aufnahmen, die Videoproduktion oder was sonst relevant erscheint. Es gibt zahlreiche Höhepunkte: eine kurze Einführung in die Entwicklung von Jacksons Tanzstil; Garrett und Ballard, die den Moment nachstellen, in dem sie „Man in the Mirror“ erfanden; gelegentliche Seiten mit Notizen, in denen Jackson sich selbst anspornt, härter zu arbeiten und besser zu werden.
Trotz all seiner hochprofessionellen Pop-Perfektion und den rekordverdächtigen Erfolgen in der Musikindustrie bleibt Michael Jacksons Bad ein vitales, persönliches, manchmal rätselhaftes Album, das die seltsame Besonderheit hat, unterschätzt zu werden, obwohl fünf von elf Songs an die Spitze der Single-Charts gelangten. Es ist der letzte unbestreitbare Triumph eines Künstlers, der bis dahin kaum etwas anderes kannte. Es ist das erste Mal, dass dieser Künstler härter arbeiten musste als sonst, um mit einer Kultur Schritt zu halten, die ihn zu überholen begann. Und es ist das letzte Mal, dass mir einfällt, dass die mit Abstand populärste Musik ernsthaft für sich beanspruchen konnte, auch die beste Musik zu sein – wenn schon nicht die innovativste oder immer die inspirierteste, so doch sicherlich eine der am besten gemachten, gesungenen und gespielten. Der mitreißende Groove von „The Way You Make Me Feel“? Die kantigen Synthesizer-Stöße, die „Another Part of Me“ antreiben? Die verrückten, gummiartigen Synth-Bass-Läufe in „Speed Demon“? Und das gesamte „Speed Demon“ selbst, das perfekte Gegenbeispiel zu allem, was ich gerade über Bad gesagt habe – nicht zu innovativ oder inspirierend –, ein nervöses, triebgesteuertes Funk-Ausbrechen, so seltsam wie alles, was Prince je gemacht hat, aber verkauft an das junge Amerika in einem Moonwalker-Segment, das von Will Vinton, dem Macher der California Raisins, inszeniert wurde. Lee zeigt sogar ein unbezahlbares Video, in dem Jackson Vinton die Gesichtsausdrücke vormacht, die er sich für die Claymation-Raisins in seinem eigenen Werbespot wünschte.
Das ist seltsamer als jede der damaligen „Wacko Jacko“-Geschichten, die es fast schon zur Nachricht machten, als er erklärte, dass er immer noch einen Mann im Spiegel sah. In Songs wie „Leave Me Alone“ und „Smooth Criminal“ tauchte dieser ewig kindliche Künstler tief in seine erwachsene Angst und Unsicherheit ein, wie sie wohl niemand sonst je empfunden hat, und durch bittersüße Pop-Handwerkskunst verwandelten er und seine Mitstreiter die nächtlichen Ängste des berühmtesten Mannes der Welt in beinahe universelle Kunst, die bis heute über Generationen, Sprachen und Kulturen hinweg Bedeutung hat. Diese Kunst wird nun immer wieder neu aufgelegt und verkauft, mit Tribute-Tourneen und Neuveröffentlichungen, die von Fans absurde Summen verlangen. Damit kann man sich getrost abfinden. Spike Lee hat der Welt das erste Tribute geschenkt, das Jackson als Künstler wirklich gerecht wird. Come on get your sham on.
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