MJJC Exklusives Interview mit Dr. Steve Shafer Teil 2
Mittwoch, 21. Dezember 2011 09:25
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Dies ist Teil 2 von 3 der Antworten von Dr. Steve Shafer auf Fragen der MJJCommunity. In diesem zweiten Teil beantwortet Dr. Shafer Fragen zu Dr. Paul White, Conrad Murray und dem Tod von Michael Jackson.
Fragen zu Dr. White
MJJC: Beim Verfolgen des Prozesses hatte man den Eindruck, es gäbe eine Feindschaft oder einen Bruch zwischen Ihnen und Dr. White. Liegen wir damit richtig? Falls ja, resultiert dieser Bruch aus den Ereignissen des Prozesses oder gibt es eine Vorgeschichte?
Dr. Steve Shafer: Paul ist seit fast drei Jahrzehnten ein Freund. Der Paul White, den Sie im Fernsehen gesehen haben, ist nicht der Paul White, den ich seit dem Medizinstudium kenne. Er hat viele Beiträge zu unserer Fachrichtung geleistet. Ich hoffe, dass seine Beiträge sein bleibendes Vermächtnis sind und nicht seine Verteidigung von Conrad Murray.
Paul war seit meiner Zeit als Medizinstudent ein geschätzter Mentor. Ich war nicht sein „Student“, wie Chernoff sagte, und ich empfand die Andeutung, Paul habe mir beigebracht, was ich über Propofol weiß, als unangemessen. Dennoch hat Paul mich in allen Bereichen beraten, vom Medizinstudium bis zur Liebe. Ich hatte erwartet, dass Chernoff fragen würde: „War Dr. White nicht ein Mentor für Sie?“ und ich war bereit, „ja“ zu antworten.
MJJC: Was halten Sie von Dr. Whites Zeugenaussage und seinem Verhalten? Hat Sie etwas, das er sagte, in Ihrer Meinung über Ihren Kollegen verändert? Waren Sie überrascht von dem, was er sagte und tat (wie seine Kommentare gegenüber den Medien) oder nicht tat (wie das Nicht-Anfertigen eigener Aufzeichnungen, das Nicht-Überwachen des Beagle-Experiments)?
Dr. Steve Shafer: In Pauls Zeugenaussage gab es sachliche Fehler. Paul ist zu herausragender wissenschaftlicher Arbeit fähig. Ich kenne die Dynamik seiner Beziehung zum Verteidigungsteam nicht, die dazu führte, dass er nicht die gründliche Literaturrecherche durchführte, die er sonst üblicherweise macht. Ich wünschte, er hätte mich im Vorfeld kontaktiert. Ich hätte ihm gerne geholfen, die Literatur zu überprüfen und die Wissenschaft zu erklären.
Die unterschiedlichen Herangehensweisen von Wissenschaft und Recht bei der Wahrheitsfindung haben Paul im Stich gelassen. Wäre es ein Streit über ein wissenschaftliches Manuskript gewesen, hätten Paul und ich direkt miteinander gesprochen, ohne Anwälte, die versuchen, den jeweils anderen zu diskreditieren. Wir hätten Papiere und Argumente ausgetauscht und uns per E-Mail oder vielleicht bei einem ausgedehnten Mittagessen in einem unserer Lieblingsmexikanischen Restaurants „duelliert“. Das hätte funktioniert und die Wissenschaft wäre korrekt gewesen (zumindest so „korrekt“, wie wir es erreichen können). Es hätte keine negativen Folgen für einen von uns gegeben. Als Wissenschaftler, die zusammenarbeiten, um „es richtig zu machen“, hätten wir gut gearbeitet. Das Strafrechtssystem ist nicht darauf ausgelegt, dass Wissenschaftler gegnerischer Seiten zusammenarbeiten, um die Wahrheit zu finden.
MJJC: Sind Sie noch mit Dr. White befreundet?
Dr. Steve Shafer: Es mag einige verletzte Gefühle geben, aber wir werden das überwinden. Wir haben eine lange gemeinsame Geschichte.
MJJC: Sie haben mit Dr. White zusammengearbeitet und sind mit ihm befreundet. Wie ist es möglich, dass zwei enge Personen zwei völlig unterschiedliche Meinungen darüber haben, was in der Nacht des 25. Juni 2009 passiert ist?
Dr. Steve Shafer: Paul White gab vor Gericht zu, dass er nur Selbstinjektionsszenarien in Betracht gezogen hat. Das schränkte die von ihm betrachteten Szenarien stark ein.
MJJC: Was halten Sie davon, dass Ihr Kollege Dr. White sich medizinisch gesehen so sehr bemüht, Conrad Murrays Handlungen zu rechtfertigen?
Dr. Steve Shafer: Ich verstehe das überhaupt nicht.
Fragen zu Dr. Murray
MJJC: Haben Sie während Ihrer Zeugenaussage absichtlich darauf verzichtet, Conrad Murray als Arzt zu bezeichnen? Haben Sie von den Nachrichtenberichten gehört, wie wütend ihn das gemacht hat?
Dr. Steve Shafer: Das war mir nicht bewusst. Es wäre sehr untypisch für mich, ihn als „Mr. Murray“ zu bezeichnen, da ich normalerweise respektvoll bin. Wahrscheinlich habe ich ihn einfach „Conrad Murray“ genannt. Wenn ich nie „Dr. Conrad Murray“ gesagt habe, dann ist das tatsächlich ein freudscher Versprecher. Ich sehe ihn nicht als Arzt.
MJJC: Zuschauer zu Hause konnten sehen, wie Murray die Beherrschung verlor, als Sie die IV-Demonstration begannen. War dieser Wutausbruch für Sie von Ihrem Platz im Gerichtssaal aus sichtbar?
Dr. Steve Shafer: Ich habe davon gelesen, aber es nicht persönlich beobachtet. Ich war auf die Jury konzentriert.
MJJC: Falls ja, hatten Sie Angst, was Murray tun könnte (d.h. dachten Sie, es bestünde die Möglichkeit, dass er Sie körperlich angreift)?
Dr. Steve Shafer: Überhaupt nicht.
MJJC: Was denken Sie über Murray als Arzt?
Dr. Steve Shafer: Ich glaube, er hat das grundlegende Vertrauen zwischen Ärzten und Patienten verletzt, und zwar nicht in einem isolierten Vorfall unter Druck, sondern absichtlich und wiederholt. Das ist etwas, was ein Arzt nicht tun würde.
MJJC: Haben Sie von der Conrad Murray-Dokumentation gehört und/oder sie gesehen?
Dr. Steve Shafer: Nein, ich habe nur davon gehört.
MJJC: Falls ja, was halten Sie davon? Glauben Sie, dass seine Teilnahme an dieser Dokumentation Murrays Mangel an beruflicher Ethik und seine Ungeeignetheit für den medizinischen Beruf weiter belegt?
Dr. Steve Shafer: Ich kann mir nicht vorstellen, warum er an einer Dokumentation teilnehmen würde, die vor der Urteilsverkündung gezeigt wird. Offenbar haben sie die Anwälte beim gegenseitigen Beschimpfen gefilmt, mit Paul White und Conrad Murray auf einer Couch im Haus von Flanagan. Das wirkt auf alle Beteiligten unverantwortlich.
Fragen zur Rolle von Propofol bei Michael Jacksons Tod
MJJC: Basierend auf allem, was Sie wissen, was glauben Sie, ist am 25. Juni 2009 passiert?
Dr. Steve Shafer: Michael Jackson starb an einem Atemstillstand (seine Atmung hörte auf), während er Propofol erhielt, genau wie der Gerichtsmediziner berichtete. Lorazepam trug ebenfalls dazu bei, ebenfalls wie vom Gerichtsmediziner berichtet. Der Gerichtsmediziner lag richtig.
MJJC: Wie überzeugt sind Sie, dass MJ in jener Nacht an einem Tropf hing?
Dr. Steve Shafer: Ich bin vollkommen überzeugt. Murray gab zu, jeden Abend einen Tropf verwendet zu haben. Er sagte, er habe versucht, Michael Jackson zu entwöhnen. Ich glaube ihm nicht. Die Propofol-Werte im Urin deuten auf massive Dosen hin, mehr als 2000 mg, wie ich in meiner Gegenzeugenaussage erklärte. Die Blutwerte zeigen anästhetische Propofol-Konzentrationen. Das passt alles zu einer Infusion (Tropf).
MJJC: Wenn wir Murrays Polizeiverhör außer Acht lassen, wie lange war MJ Ihrer professionellen Einschätzung nach weg, bevor Murray ihn schließlich fand? Einige Experten vermuten, die Verzögerung beim Anrufen des Notrufs sei nur dadurch zu erklären, dass er wusste, dass MJ bereits tot war.
Dr. Steve Shafer: Ich denke, er war bereits tot, aber das ist wirklich spekulativ. Ich glaube nichts, was Conrad Murray sagt, und es gibt keine Aufzeichnungen. Meine Vermutung, dass er tot war, basiert auf dem begrenzten Zeitfenster zwischen Atemstillstand und Tod (10–20 Minuten). Murray hätte ihn in diesem Zeitfenster beobachten müssen, um eine Chance zu haben, ihn zu retten.
MJJC: Es gibt Gerüchte, dass Michael in der Nacht seines Todes unter Murrays sogenannter „Fürsorge“ tatsächlich eine Mahlzeit zu sich genommen hat. Glauben Sie, Michael hat die erforderliche Fastenzeit eingehalten? Oder war das eine weitere Abweichung von der medizinischen Sorgfaltspflicht durch Murray? Was denken Sie darüber?
Dr. Steve Shafer: Mir sind keine Daten bekannt, die darauf hindeuten, dass Michael Jackson jemals gefastet hat. Das kommt in den Unterlagen nirgends vor. Ich vermute, er hat gegessen, weil er nach einer intensiven Probe wahrscheinlich hungrig gewesen wäre.
MJJC: Was halten Sie von den Symptomen am 19. Juni (Kenny Ortegas E-Mail, die Michael mit Schüttelfrost und scheinbar verloren beschreibt) und am 21. Juni (heiße und kalte Symptome, beschrieben von Cherylin Lee)? Woran könnten diese Symptome liegen?
Dr. Steve Shafer: Das ist schwer zu sagen. Die Verteidigung schlug vor, dass es sich um Entzug von Demerol handeln könnte, und das ist korrekt. Es könnte auch ein Entzug von Lorazepam sein. Ein Propofol-Entzug wurde bisher nicht beschrieben, da außer Michael Jackson niemand Propofol Nacht für Nacht gegen Schlaflosigkeit erhalten hat. Theoretisch könnte es aber ein Propofol-Entzug sein.
Es könnte aber auch eine gewöhnliche Erkrankung sein: eine „Magen-Darm-Grippe“ oder eine starke Erkältung. Das lässt sich nicht sicher feststellen.
MJJC: Haben Sie eine Meinung zu den Tagen 23. und 24. Juni, als Michael sich offenbar sehr gut fühlte? Woran könnte diese Besserung gelegen haben?
Dr. Steve Shafer: Ich weiß es nicht. Nach dem Prozess habe ich mir "This is It" angesehen. Es war offensichtlich eine große Aufregung und Begeisterung zu spüren, da die Proben sich dem Ende näherten und die Tour bevorstand. Es könnte einfach die Vorfreude und Begeisterung auf die Tour gewesen sein.
MJJC: Überraschend es Sie, dass Michael Jackson nicht schon vor dem 25. Juni gestorben ist, nachdem bekannt wurde, dass Murray MJ laut eigener Aussage zwei Monate vor seinem Tod Propofol ohne die richtige Ausrüstung verabreicht hat?
Dr. Steve Shafer: Ja. Das finde ich ziemlich überraschend. Wir wissen nicht, ob es vorher schon kritische Situationen gab, da keine Aufzeichnungen vorliegen.
MJJC: Die Audioaufnahme von Michael aus Mai 2009, in der er undeutlich spricht, erregte viel Aufmerksamkeit. In einem Interview sagte Dr. Murray, Michael sei während dieser Aufnahme unter dem Einfluss von Propofol gewesen. Einige behaupten jedoch, Propofol verursache keine undeutliche Sprache. Was halten Sie von dieser Aufnahme? Haben Sie eine Idee, welche Medikamente eine solche Sprachstörung verursachen können?
Dr. Steve Shafer: Beruhigungsmittel verursachen undeutliche Sprache. Das könnte durch Midazolam, Lorazepam oder Propofol verursacht worden sein.
MJJC: Glauben Sie, es hätte eine Chance gegeben, dass Michael nach einem so langen Atemstillstand bei Wiederbelebung durch die Sanitäter wieder gesund wird und ein normales Leben führen kann?
Dr. Steve Shafer: Definitiv, wenn sie rechtzeitig eingetroffen wären.
MJJC: Das ist eine schwierige Frage, aber wir müssen sie stellen. Wenn eine Überdosis Propofol zum Tod führt, wie es bei Michael der Fall war, leidet die Person dann? Spürt sie Schmerzen? Oder ist es wie beim Einschlafen, dass man nichts fühlt?
Dr. Steve Shafer: Das ist eine einfache Frage: Bei einer Propofol-Überdosis gibt es kein Leiden. Die Person schläft schnell und angenehm ein. Das Gehirn wird tiefgehend gedämpft und kehrt nie wieder ins Bewusstsein zurück.
MJJC: Wenn Michael Ihr Patient gewesen wäre und Sie um Propofol gebeten hätte, um besser schlafen zu können, wie hätten Sie reagiert? Was hätten Sie ihm empfohlen? Hätten Sie ihm geraten, einen Schlafspezialisten aufzusuchen?
Dr. Steve Shafer: Absolut die richtige Frage! Ich hätte ihn an einen Schlafspezialisten überwiesen. Er hatte eine sehr ernste Schlafstörung, die seine Tour, seine Leistungsfähigkeit, seine Fähigkeit, Musik zu schaffen, und potenziell sein Leben bedrohte. Es brauchte dringend eine Behandlung durch jemanden, der weiß, was er tut.
MJJC: Kennen Sie die Langzeitfolgen der Verwendung von Propofol? Murray gab an, MJ habe Propofol sechs Wochen lang benutzt, offenbar um etwa acht Stunden pro Nacht zu schlafen. Haben Sie jemals Fallstudien über Patienten gelesen, die das so gemacht haben, oder war MJ, wie im Prozess dargestellt, ein Experiment?
Dr. Steve Shafer: Das war ein Experiment. Ich glaube nicht, dass irgendein anderer Patient weltweit so behandelt wurde. Es könnte Langzeitfolgen geben – das ist eine Frage, die ohne klinische Forschung nicht beantwortet werden kann. Ich weiß nicht, welche Effekte zu erwarten sind, aber es scheint wahrscheinlich, dass Toleranz und Abhängigkeit entstehen würden.
MJJC: Wie sieht es mit noch längeren Zeiträumen aus, etwa Monaten oder Jahren tiefer Sedierung mit Propofol? Könnte das die Gesundheit oder Organe beeinträchtigen? Ist es möglich, Propofol über lange Zeit zu nehmen, ohne negative Nebenwirkungen?
Dr. Steve Shafer: Wir wissen es nicht – solche Studien wurden nicht durchgeführt.
MJJC: Es gibt möglicherweise nicht genug Informationen, um ein klares Bild zu erhalten, aber wir würden gerne Ihre Meinung zu dem, was Murray Michael (ab Ende 2006) verschrieben hat, zu den Mengen von Midazolam, Lorazepam und Flumazenil, die Murray gekauft hat, und zu den möglichen Folgen einer solchen Behandlung hören.
Dr. Steve Shafer: Ich bin mir nicht sicher, auf welche Mengen Sie sich beziehen. Ich kenne die Medikamente, die Murray 2009 gekauft hat, habe aber seine frühere Behandlung von Michael Jackson nicht überprüft, da sie nicht direkt mit den Fragen zusammenhing, die ich im Prozess beantworten sollte.
MJJC: Laut seinem Polizeiverhör wusste Murray offenbar, dass er Lorazepam und Propofol nicht mischen sollte, weshalb wir über deren gleichzeitige Verwendung verwirrt sind. Warum sollte Dr. Murray oder jemand anderes diese Medikamente zusammen verabreichen?
Dr. Steve Shafer: Es ist nichts falsch daran, Lorazepam und Propofol mehr oder weniger gleichzeitig zu geben. Anästhesisten verabreichen routinemäßig Midazolam zu Beginn einer Narkose und Propofol wenige Minuten später. Midazolam und Lorazepam sind eng verwandt. Man muss nur wissen, dass die Wirkungen „synergistisch“ sind, das heißt, die Propofoldosis muss reduziert werden, wenn viel Midazolam oder Lorazepam gegeben wird.
MJJC: Haben Sie eine Vorstellung davon, wie viel Lorazepam er wann erhalten hat?
Dr. Steve Shafer: Ja, er hat viel gegeben. Die Lorazepamspiegel im Blut waren hoch genug, um zum Tod beizutragen, wie im Obduktionsbericht angegeben und von der Verteidigung betont wurde. Wie die Verteidigung zutreffend feststellte, war die Lorazepamkonzentration im Blut hoch genug, um die meisten von uns schlafen zu legen. Im Urin bei der Obduktion wurden 8,4 Milligramm Lorazepam gefunden, und weitere 5,8 Milligramm Lorazepam im Urin, der am Tatort sichergestellt wurde, vermutlich von derselben Nacht. Michael Jackson erhielt also viel Lorazepam. Da es jedoch keine Aufzeichnungen gibt und ich Conrad Murrays Angaben nicht traue, ist eine genauere Aussage schwierig.
MJJC: Dr. Kamangar sagte, dass die Abhängigkeit schneller eintreten würde, wenn Benzodiazepine intravenös verabreicht werden. War diese „Behandlung“ also eine, die ihn stark abhängig von Benzodiazepinen gemacht hätte? Hätte er sich erholen können, wenn er überlebt hätte?
Dr. Steve Shafer: Ja, auf beide Fragen. Intravenöser Drogengebrauch führt typischerweise zu schneller Abhängigkeit. Unabhängig vom Grad der Abhängigkeit kann man sich mit entsprechender Behandlung davon erholen. Das große Problem für Michael Jackson wäre gewesen, ob er bereit gewesen wäre, für den Rest seines Lebens auf intravenöse Beruhigungsmittel zu verzichten. Ohne eine Änderung der Lebensprioritäten ist es oft sehr schwer, Menschen, die abhängig sind, zu entwöhnen.
MJJC: Nachdem Sie viele Stunden damit verbracht hatten, Murrays Polizeiaussage und die Beweise durchzugehen, waren Sie schockiert über die Ergebnisse – die Menge an Propofol, die Murray verabreicht haben muss, um die im Blut bei der Obduktion gefundenen Werte zu erreichen, Murrays missglückter Versuch, seinen eigenen Tate Gallery of Modern Art Tropf zu kreieren usw.?
Dr. Steve Shafer: Da Conrad Murray enorme Mengen Propofol bestellt hatte, um Michael Jackson zu verabreichen, und Michael Jackson eine anästhetische Konzentration von Propofol im Blut hatte, erwartete ich, dass die Simulationen bestätigen würden, dass er anästhetische Mengen Propofol erhalten hatte. Das taten sie.
MJJC: Während Ihrer Aussage sagten Sie, dass Michael zuerst einen Atemstillstand und dann einen Herzstillstand hatte. Dr. Steinberg sagte Ähnliches, basierend auf Murrays eigenen Worten (dass Herzschlag/Blutdruck vorhanden war, als er Michael fand). Die Verteidigung argumentierte, dass es zuerst ein Herzstillstand gewesen sein könnte und nicht ein Atemstillstand. Selbst in der Murray-Dokumentation wurde eine Szene gezeigt, in der Verteidiger planten, Sie zu fragen, ob ein direkter Herzstillstand möglich sei, sich dann aber entschieden, diese Frage nicht zu stellen, aus Angst vor Ihrer möglichen Antwort. Können Sie das etwas erläutern?
Dr. Steve Shafer: Ich kann keine Beweise finden, dass das von der Verteidigung dargestellte Szenario, ein sofortiger Herzstillstand innerhalb von 90 Sekunden, jemals vorgekommen ist. Ich habe viele Stunden damit verbracht, nach solchen Belegen zu suchen, einschließlich der Durchsicht medizinischer Fachliteratur und der Kommunikation mit Firmen, die Nebenwirkungen von Propofol verfolgen. Meines Wissens wurde so etwas nie berichtet. Nicht einmal einmal.
Ich glaube auch nicht, dass irgendein Anästhesist so etwas je gesehen hat. Es gibt keinen Mechanismus, durch den Lorazepam und Propofol zusammenwirken könnten, um einen sofortigen Tod zu verursachen. Wenn der Richter es zugelassen hätte, glaube ich, hätte sich der Prozess um mehrere Jahre verlängert, während jeder Anästhesist in den USA als Zeuge aussagen würde, dass dieses Szenario kompletter Unsinn ist.
Betrachten Sie die Absurdität der Behauptung, dass 25 Milligramm, die über 4 Minuten injiziert wurden, so sicher seien, dass fast keine Überwachung erforderlich war, während dieselbe Dosis, die über 1 Minute injiziert wurde, so toxisch sei, dass sie einen magischen sofortigen Tod verursache! Das ergibt keinen Sinn.
Von allen Falschdarstellungen der Verteidigung ist die Behauptung eines magischen sofortigen Todes durch eine kleine Dosis Propofol am schädlichsten für Patienten. Sie ist falsch. Die Behauptung eines sofortigen Herzstillstands durch eine sehr kleine Dosis Propofol wird nur die Angst von Patienten erhöhen, die eine Sedierung und Anästhesie benötigen.
MJJC: Soweit wir aus der Befragung der Verteidigung und der Aussage von Dr. White verstehen können, lautet die Verteidigungstheorie zum Geschehen am 25. Juni 2009 wie folgt: Murray gab MJ Valium und dann 2 Dosen Lorazepam sowie 2 Dosen Midazolam. Da MJ nicht schlafen konnte, verabreichte Murray ihm einen Bolus von 25 mg Propofol. Im Laufe der Nacht/des Tages (unklar wann) schluckte MJ 8 Lorazepam-Tabletten, ohne dass Dr. Murray davon wusste. MJ bewegte sich im Zimmer, obwohl er einen IV-Zugang und einen Kondomkatheter hatte, und mit all diesen Medikamenten an Bord injizierte er sich selbst eine bereits gefüllte und auf dem Nachttisch liegende Spritze mit 25 mg Propofol. Was sagen Sie zur Version der Verteidigung über die Ereignisse?
Dr. Steve Shafer: Der wichtigste Punkt ist, dass das keine Rolle spielt. Michael Jackson wäre am Leben, wenn Conrad Murray nicht mehrfach grob und unverantwortlich gegen den Standard der medizinischen Versorgung verstoßen hätte. Er verabreichte Michael Jackson eine Allgemeinanästhesie in dessen Schlafzimmer, ohne Ausbildung, Überwachung oder Unterstützung. Er hat seinen Patienten im Stich gelassen. Als er zurückkam, war sein Patient entweder tot oder fast tot. Das spricht für sich.
Wir wissen, dass Michael Jackson viel Lorazepam erhalten hat. Vielleicht hat er Tabletten genommen. Vielleicht hat Conrad Murray ihm intravenös mehr gegeben, als er zugab. Wir wissen, dass nicht genug unverstoffwechseltes Lorazepam im Magen von Michael Jackson war, um eine kürzliche Einnahme anzudeuten. Wir wissen, dass es im Zimmer Hinweise auf große intravenöse Propofol-Dosen gab. Wir wissen, dass die Menge an unverändertem Propofol im Urin auf eine Verabreichung von weit über 1000 mg (100 ml) Propofol hindeutet. Somit ist das Szenario der Verteidigung weder mit den physischen noch mit den Obduktionsdaten zu Lorazepam oder Propofol vereinbar.
MJJC: Dr. Shafer, Sie sagten im Prozess, dass wahrscheinlich zum Todeszeitpunkt der Tropf noch lief und das die hohe Propofol-Konzentration im Oberschenkelblut erklären würde. Dr. White sagte jedoch, er bezweifle, dass Propofol noch infundiert werden konnte, sobald der Blutkreislauf gestoppt war. Können Sie das bitte näher erläutern?
Dr. Steve Shafer: Ich habe behauptet, dass Michael Jackson während der Infusion starb, weshalb die Blutkonzentration so hoch war. Er musste nicht am Ende der Infusion sterben, und es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass er es tat. Er starb einfach während der Infusion. Die 100-ml-Propofol-Flasche war leer, ich vermute, dass er starb, bevor die Flasche leer war, aber bis Conrad Murray ihn fand, war die Flasche auch leer.
Ich war überrascht, dass die Verteidigung behauptete, meine Simulationen würden erfordern, dass Michael Jackson am Ende der Infusion starb. Das war nicht der Fall. Ich war enttäuscht, dass Paul White dem zustimmte.
MJJC: Falls es zunächst einen Herzstillstand gab und nicht erst nach einem Atemstillstand, wie Murray der Polizei sagte, könnte dieser Herzstillstand durch eine plötzliche hohe/schnelle Dosis vom Tropf verursacht worden sein, da keine Infusionspumpe zur Regulierung der Tropfgeschwindigkeit vorhanden war?
Dr. Steve Shafer: Nein. Das Herz ist ein ziemlich zuverlässiges Organ. Es kann plötzlich aufhören, aber nicht durch Propofol. Was das Herz abrupt zum Stillstand bringt, ist: 1) eine Arrhythmie, typischerweise durch einen akuten Herzinfarkt, 2) etwas, das den Kreislauf komplett blockiert, wie die Injektion einer großen Luftmenge oder ein Blutgerinnsel aus den Beinen, das plötzlich den Blutfluss in die Lunge blockiert, 3) die Verabreichung einer großen Dosis intravenösen Kaliums, das die elektrische Aktivität des Herzens stört. Propofol führt zum Atemstillstand und senkt den Blutdruck. Keines davon verursacht, dass das Herz abrupt aufhört zu schlagen. Soweit ich weiß, hat noch niemand beobachtet, dass das Herz eines Patienten durch irgendeine Propofol-Dosis plötzlich stehen blieb.
MJJC: Laut Walgrens Worten in der Schlussrede „wir wissen nicht, ob Michael aufwachte, um Hilfe rief und erstickte, während Conrad Murray nicht in seinem Schlafzimmer war, und wir werden es nie wissen“ und nach der Aussage von Alberto Alvarez, dass Michaels Augen und Mund weit geöffnet waren, möchte ich Sie fragen: Könnte Michael vor dem Tod gelitten haben und konnte er wirklich um Hilfe rufen und ersticken, während er starb? Und wenn nein, warum waren seine Augen/Mund offen, wenn er im Schlaf starb?
Dr. Steve Shafer: Michael Jackson hat nicht gelitten. Er starb, weil er aufgehört hat zu atmen. Er war zu diesem Zeitpunkt bewusstlos. Wäre er bei Bewusstsein gewesen, hätte er geatmet.
Es bedeutet nichts, ob die Augen oder der Mund eines Patienten nach dem Tod offen oder geschlossen sind. Ich habe den Tod meines eigenen Vaters während meiner Zeugenaussage miterlebt. Ich war an seinem Bett. Er war etwa zwei Stunden vor seinem Tod immer wieder bei Bewusstsein und wieder bewusstlos. Meine letzte Kommunikation mit ihm, ein „OK“-Zeichen mit der Hand, war etwa eine Stunde vor seinem Tod. Nach seinem Tod bemerkte ich, dass seine Augen und sein Mund offen waren. Ich schloss sie.
Hinweis: Teil 3 von 3 wird 24 Stunden später – am 22. Dezember 2011 – veröffentlicht.
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